Sach- und Lachgeschichten aus dem Geheimderat

Aus dem Gemeinderat – Klimaanpassung, Sporthalle und Kinderbetreuung

Ein für uns wichtiges Thema der vergangenen Gemeinderatssitzung war unser Antrag zur Überprüfung der Planung des Baugebiets „Mössinger Höfe“ unter dem Aspekt der Frischluftversorgung. Wohnraum wird in Mössingen dringend benötigt. Gleichzeitig nehmen durch den Klimawandel Hitzetage und Tropennächte zu. Umso wichtiger ist es, die natürlichen Frischluftschneisen und Kaltluftströme zu erhalten, die unsere Kernstadt insbesondere nachts abkühlen. Mössingen profitiert dabei von seiner Lage am Albtrauf: Kühle Luft fließt aus den Hanglagen in Richtung Tal und trägt wesentlich zu einem angenehmen Stadtklima bei.

Inzwischen liegen deutlich aktuellere Erkenntnisse vor als zum Zeitpunkt der ursprünglichen Planung. Am 15.12.25 wurde zwar ein Gutachten vorgestellt, darin heißt es auf S.48: „Aufgrund der geringen Größe, der bereits überwiegend vorhandenen Bebauung und der guten Versorgung des Stadtgebiets mit Kaltluft weisen die Flächen des Plangebiets keine siedlungsklimatische Bedeutung auf.“ Dennoch beantragten wir, die aktuellen Planungen (vorgestellt am 4.5.26, siehe Abbildung unten) in das Klimamodell einzuarbeiten und fachlich untersuchen zu lassen, ob die vorgesehenen Gebäude die Frischluftzufuhr beeinträchtigen und ob sich durch Anpassungen der Gebäudeanordnung oder -höhe Verbesserungen erreichen lassen. Denn im Gutachten vom 15.12.25 heißt es auch: „Die Bebauung ist teilweise höher (bis zu fünfgeschossig) und es kommt insgesamt zu einer Neuversiegelung von ca. 8.180 m². Durch den Verlust der großflächigen Grünflächen (inkl. Funktion der Kaltluftproduktion) und der höheren Bebauung ist insgesamt von einer stärkeren Wärmebelastung des Gebiets auszugehen.“ Es gilt jedoch zu prüfen, ob die Maßnahmen ausreichen, um künftige Generationen vor weiteren Überhitzungen der Stadtlandschaft möglichst zu schützen. Unser Ziel war ausdrücklich nicht, den Wohnungsbau zu verhindern oder zu verzögern, sondern auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse eine möglichst klimaangepasste Planung zu ermöglichen. Unser Vorschlag war denkbar einfach: Wenn moderne Simulationsmodelle zeigen können, ob kleine Änderungen an Gebäudehöhen oder der Gebäudeanordnung die Frischluftversorgung verbessern, warum sollte man dieses Wissen nicht nutzen? Der dänische Stadtplaner Jan Gehl formulierte einmal: „Zuerst das Leben, dann die Räume, dann die Gebäude – umgekehrt funktioniert es nie.“ Gute Stadtplanung beginnt nicht beim Beton, sondern bei den Menschen und den Lebensbedingungen, die eine Stadt auch in Zeiten zunehmender Hitze lebenswert halten.
Bevor wir für Jahrzehnte bauen, sollten wir für Jahrzehnte vorausdenken.

Beim Beschluss zur weiteren Planung der neuen Sporthalle haben wir uns enthalten. Der Bedarf einer modernen Halle ist unbestritten und die Arbeit unserer Vereine verdient große Unterstützung. Gleichzeitig sehen wir angesichts der hohen Eigenkosten für die Stadt und der unsicheren Förderlage erhebliche finanzielle Risiken. Vor dem Hintergrund steigender Ausgaben für Klimaanpassung und die Sanierung unserer Schulen hätten wir uns gewünscht, diese Prioritäten noch einmal sorgfältig gegeneinander abzuwägen.

Außerdem haben wir angeregt, bei der Verpflichtung des wiedergewählten Bürgermeisters auch die Chance zu nutzen, ein sichtbares Zeichen für die Gleichberechtigung zu setzen. Mit Judith Rexer, Katharina Mattheis und Claudia Jochen hätten drei engagierte Gemeinderätinnen diese repräsentative Aufgabe ebenso überzeugend übernehmen können.

Abschließend bedanken wir uns bei Evelyn Leins für den Ausblick auf die zukünftige Kindergartenbedarfsplanung sowie bei Frau Malm für die Vorstellung der hervorragenden Frischeküche im Kindergarten Hinter Höfen. Die hohe Qualität der dortigen Essensversorgung zeigt eindrucksvoll, welchen Stellenwert eine gute Betreuung unserer Kinder in Mössingen hat.

 

Abb.: Frischluftschneisen und Kaltluftströme leisten einen wichtigen Beitrag zur nächtlichen Abkühlung der Mössinger Kernstadt. Unser Antrag forderte eine fachliche Prüfung, ob die Planung der „Mössinger Höfe“ diese Luftströme beeinflussen könnte. Insbesondere die lineare Kaltluftleitbahn ist in den Unterlagen vom 15.12.25 nicht enthalten.

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