Heute morgen war ich in Belsen im Lädle.
Wahlkampf bedeutet bekanntlich, den Menschen zuzuhören. Manchmal lernt man dabei mehr, als in einem ganzen Stapel Verwaltungsvorlagen steht, mein lieber Herr Oberbürgermeister!
So erging es mir, der angekündigten Oberbürgermeisteramtskandidatin, bei meinem Besuch im Belsemer Lädle. Eigentlich wollte ich etwas über Nahversorgung und die Wünsche der Belsemer erfahren. Schließlich gilt das Lädle als wichtiger Versorger und Treffpunkt für den Stadtteil. Doch schon nach wenigen Minuten wurde klar: Wer glaubt, hier gehe es nur um Milch, Brot und Butter, hat das Konzept nicht verstanden.
Das Lädle ist nämlich weit mehr als ein Lebensmittelgeschäft.
Zwischen Gemüseregal und Kasse werden Wohnungsangebote ausgetauscht, Putzstellen vermittelt und die neuesten Dorfnachrichten gehandelt. Hier finden frisch Zugezogene Anschluss, alteingesessene Belsener Rat und gelegentlich sogar Paare zueinander. Nicht wenige Ehen dürften ihren Ursprung indirekt zwischen Kaffeeregal und Kühltheke haben.
Sollte die Bundesregierung jemals nach einem Modellprojekt für den gesellschaftlichen Zusammenhalt suchen – in Belsen steht es längst.
Während anderswo teure Konzepte für „soziale Begegnungsräume“ entwickelt werden, steht man hier einfach zusammen, redet nach dem Einkauf und löst die Probleme des Alltags. Kostenlos. Ohne Förderantrag. Ohne Arbeitskreis.
Ich bin beeindruckt – und ein wenig demütig.
Denn Belsen führte heute morgen vor Augen, dass Gemeinschaft nicht verordnet werden kann. Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen und sich gegenseitig helfen.
Wer das Lädle besucht, erkennt schnell: Hier wird der Stadtteil nicht nur verwaltet. Hier verwaltet er sich in vielen Dingen selbst. Mit Verstand, einer Portion Humor und erstaunlich kurzen Dienstwegen.
Am Ende des Besuchs nehme ich eine wichtige Erkenntnis mit nach Hause: Manchmal sind die wertvollsten kommunalpolitischen Einrichtungen weder Rathaus noch Sitzungssaal, sondern ein kleiner Laden, in dem die Menschen einander kennen.
Und ganz nebenbei gibt es dort auch noch hervorragende Lebensmittel für Körper und Geist.

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