Der jüngste Oberbürgermeisterkandidat Mössingens

Im Wahlkampf erlebt man so einiges. Man diskutiert über Radwege, Streuobstwiesen, Parkplätze und die Zukunft unserer Stadt. Man trifft überzeugte Wählerinnen und Wähler, überzeugte Nichtwähler – und manchmal auch überzeugte Oberbürgermeister.

So geschehen bei der Eröffnung der Neuen Mitte.

Dort lernte ich den vierjährigen Gustav Frank kennen. Ein sympathischer junger Mann mit einem glasklaren Berufsziel. Seine Mutter erzählte mir schmunzelnd, dass Gustav seit einiger Zeit fest davon überzeugt ist, dass er Oberbürgermeister von Mössingen wird.

Warum?

Nun, er hat mitbekommen, dass ein*e Oberbürgermeister*in gewählt wird.

Und offenbar lautet seine Schlussfolgerung: „Dann werde eben ich gewählt!“

So einfach kann Demokratie sein.

Während Erwachsene lange über Wahlprogramme, Mehrheiten und Erfolgsaussichten diskutieren, kennt Gustav keine Zweifel. Er kandidiert zwar noch nicht offiziell – aber innerlich hat er das Rathaus vermutlich schon eingerichtet.

Ich muss zugeben: Diese gesunde Portion Selbstvertrauen hat mich beeindruckt. Vielleicht sollten wir Erwachsenen uns davon eine Scheibe abschneiden. Einfach einmal an etwas glauben, bevor einem jemand erklärt, warum es angeblich nicht funktionieren kann.

Lieber Gustav,

ich verspreche dir: Sollte ich Oberbürgermeisterin werden, passe ich gut auf das Rathaus auf, bis du groß genug bist.

Vor allem aber verspreche ich dir noch etwas anderes.

Ich möchte dafür sorgen, dass du als zukünftiger Oberbürgermeister auch noch ein Mössingen vorfindest, das nicht als Betonklotzstadt bekannt wird, sondern seinen Namen als Blumenstadt verdient. Mit blühenden Streuobstwiesen, summenden Bienen, alten Apfelbäumen und genügend Grün, damit auch deine Generation die Natur nicht nur aus Bilderbüchern kennt.

Denn wir Erwachsenen verwalten diese Landschaft nicht für uns allein. Wir tragen Verantwortung für diejenigen, die nach uns kommen.

Und noch etwas hast du mir – ganz ohne es zu wissen – ins Gedächtnis gerufen: Kinder müssen in einer Stadt nicht nur gehört, sondern auch gesehen werden. Gerade im Straßenverkehr. Sichere Schulwege, gute Radwege, übersichtliche Kreuzungen und Plätze, auf denen Kinder unbeschwert unterwegs sein können, sind keine Nebensache. Sie zeigen, welchen Stellenwert die Jüngsten in unserer Stadt haben.

Eigentlich hat Gustav genau das erlebt, was mir in den vergangenen Wochen viele Erwachsene erzählt haben. Er sah meine Wahlplakate und fragte:

„Wer ist die Frau?“

So erfuhr er, dass in Mössingen ein/e Oberbürgermeister/in gewählt wird – und beschloss kurzerhand, selbst einer zu werden. Viele Erwachsene sagten mir dagegen: „Erst durch deine Kandidatur haben wir überhaupt erfahren, dass gewählt wird.“ Wenn meine Plakate also nicht nur einen zukünftigen Oberbürgermeister inspiriert, sondern auch einige Nichtwähler an die Wahlurne gelockt haben, dann hat sich dieser Wahlkampf schon gelohnt.

Falls ich also nicht Oberbürgermeisterin werde, tröste ich mich mit dem Gedanken, dass Mössingen bereits einen äußerst motivierten Nachfolger in den Startlöchern hat.

Einen Kandidaten, der noch nichts von Haushaltssperren, Bebauungsplänen oder Verwaltungsverfahren weiß – und deshalb vermutlich überzeugt ist, dass ein Oberbürgermeister einfach dafür sorgt, dass Menschen gern in ihrer Stadt leben.

Vielleicht sollten wir Erwachsenen genau diesen Gedanken niemals verlieren.

Denn manchmal kommen die klügsten Ideen nicht aus dem Rathaus, sondern aus dem Mund eines Vierjährigen.

5 Kommentare zu „Der jüngste Oberbürgermeisterkandidat Mössingens“

  1. Avatar von Gabriele Weyell
    Gabriele Weyell

    Sehr schön! Gehen wir durch die Stadt mit den Augen eines Kindes!
    Und wenn dann noch die Oma zu Wort kommt:
    Ich möchte nicht im Abseits der Lebendigkeit sitzen, sondern mitten bei den Kindern , ihnen beim Spielen zuschauen, mit ihnen erzählen und sie sicher auf ihren Wegen wissen:in den Kindergarten, in die Schule, zum Freibad, zu ihren Freunden .

    1. Avatar von chefinnin

      …am besten unter schattenspendenden
      Bäumen…. aber die gibt es in der NEUEN MITTE ja (noch) nicht! 😉

  2. Avatar von Waltraud
    Waltraud

    Ja, die Omas müssen auch gesehen werden! Vielleicht ein Treffpunkt !? – Auf jedenfalls: “Omas für die Bürgermeisterin!!!“

    1. Avatar von chefinnin

      ALLE SOLLEN WAHRGENOMMEN WERDEN!
      Aber danke für deinen Input, liebe Waltraud und Grß nach OH!

  3. Avatar von Waltraud
    Waltraud

    Omas für die Bürgermeisterin!!!♥️🍀

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