Morgen entscheidet sich, ob Mössingen Lust auf ein kleines Wunder hat.
Es gibt zwei Arten von Menschen.
Die einen sagen: „Ach, eine Stimme macht doch keinen Unterschied.“
Die anderen haben vermutlich noch nie eine Gemeinderatssitzung erlebt, in der wegen einer Stimme plötzlich eine Entscheidung gekippt wurde.
Morgen ist mein letzter Wahlkampftag.
Von 10 bis 12 Uhr sitze ich noch einmal mit meinem roten Sofa vor dem Gesundheitszentrum.
Danach übernimmt die Demokratie.
Und die hat bekanntlich ihren eigenen Kopf.
Falls Sie also noch prüfen möchten, ob die Frau auf den Plakaten wirklich so ist wie auf den Plakaten – kommen Sie vorbei.
Falls Sie mir erklären möchten, warum die „Neue Mitte“, die Schlaglöcher, die Streuobstwiesen oder die Weltlage eigentlich ganz anders sind als ich denke – umso besser.
Ich höre zu.
Versprochen.
Sollten Sie allerdings vorhaben, mich erst nach der Wahl anzusprechen mit den Worten:
„Eigentlich hätte ich Sie ja wählen wollen…“
…dann muss ich Ihnen leider mitteilen, dass die Wahlleitung für nachträgliche gute Vorsätze bislang erstaunlich wenig Verständnis zeigt.
Ich habe in den vergangenen Wochen eine verblüffende Entdeckung gemacht.
Mössingen besteht gar nicht hauptsächlich aus Autos, Bebauungsplänen und Gemeinderatsprotokollen.
Mössingen besteht aus Menschen.
Aus klugen.
Aus freundlichen.
Aus streitbaren.
Aus Menschen, die Schokolade verschenken, Bücher vorbeibringen, handgeschriebene Karten in den Briefkasten stecken und einer völlig unbekannten Kandidatin sagen:
„Gut, dass Sie sich trauen.“
Ganz ehrlich?
Jetzt trauen Sie sich auch.
Gehen Sie am Sonntag wählen.
Und morgen kommen Sie noch einmal vorbei.
Denn falls wir tatsächlich das Mössinger Wunder erleben sollten, möchte ich später wenigstens behaupten können:
„Ich habe Sie gewarnt.“

Schreiben Sie einen Kommentar