Es gibt Augenblicke im Leben, da wünscht man sich ernsthaft, jemand möge einfach die Uhren anhalten.
Genau so ein Augenblick ist jetzt.
Noch eine halbe Stunde bis 18 Uhr.
Noch eine halbe Stunde schöne Ungewissheit.
Und ganz ehrlich?
Ich möchte gar nicht, dass der Zeiger weiterwandert.
Der heutige Tag war nämlich viel zu schön.
„It’s better to travel hopefully than to arrive…“
Er begann im Wahllokal mit unserer Stimmabgabe und Julian hatte die Lacher unserer wunderbaren ehrenamtlichen Wahllhelfer:innen auf seiner Seite als er allen Ernstes in der Wahlkabine laut überlegte: „Ich bin mir nicht sicher…“
Dann fuhr unsere muntere Truppe zu viert nach Bad Waldsee zur Ausstellungseröffnung meines Schwiegerpapas Jochen Warth. Kunst statt Kommunalpolitik. Stahl statt Wahl.
Und dann traf ich dort ausgerechnet meinen ehemaligen Kunstlehrer Wolfgang Stöhr.
„Weißt du noch damals als du mir so eine schöne Entschuldigung geschrieben hast, weil du nicht in den Kunstunterricht gekommen bist…?“
Ja.
Natürlich!
Und ehe ich mich versah, war ich wieder Schülerin. 19 Jahre. HAch! JUUUUUGEND WIE BIST DU SCHÖÖÖÖN!!!!
Ein toller Lehrer, der Herr Stöhr.
Auf der Heimfahrt wurde es dann zunehmend albern.
Irgendjemand stellte die völlig ernst gemeinte Frage, was mein Mitbewerber wohl gerade mache.
Unsere Fantasie kannte daraufhin keine Grenzen mehr.
Vielleicht trägt er inzwischen einen angeklebten Schnurrbart und stellt sich in jedem Wahllokal unter einem anderen Namen vor?
„Grüß Gott. Mein Name ist… äh… Müller. Heute jedenfalls.“
Oder er versucht verzweifelt, irgendwo eine amtliche Wahlurne gegen eine selbstgebastelte auszutauschen. Mit selbstgemachten Stimmzetteln, mit 97% der Kreuze bei sich selbst.
Oder er rennt mit verschiedenen farbenfrohen Hüten von Dagmar Klink durch Mössingen und hofft, dass niemand merkt, dass er gerade zum fünften Mal wählen möchte.
Natürlich ist das vollkommener Unsinn.
Aber genau dafür sind Rückfahrten da.
Für Gespräche, die immer absurder werden, je näher 18 Uhr rückt.
Und während wir lachten, wurde mir plötzlich bewusst:
Eigentlich wünsche ich mir gerade gar keinen Wahlausgang.
Ich wünsche mir einfach noch ein bisschen Wahlkampf.
Noch ein Gespräch.
Noch ein rotes Sofa.
Noch eine überraschende Begegnung.
Noch einen Menschen, der sagt:
„Darf ich Ihnen kurz etwas erzählen?“
Denn genau diese Geschichten und Begegnungen waren das eigentliche Geschenk der vergangenen Wochen.
Vielleicht endet heute um 18 Uhr der Wahlkampf, der gar kein „Kampf“ war, sondern ein wunderschöner Spaziergang am Steinlachstrand.
Aber hoffentlich endet nicht die Neugier aufeinander.
Und deshalb verspreche ich Ihnen schon jetzt:
Ganz gleich, wie diese Wahl ausgeht – die Mössinger Geschichten gehen weiter.
Denn Wahlen dauern einen Tag.
Eine gute Geschichte manchmal ein ganzes Leben.
Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte.
Ich muss noch schnell nachsehen, ob irgendwo ein Mann mit angeklebtem Bart unterwegs ist.
Rein journalistisch natürlich.
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WIR SEHEN UNS GLEICH AM RATHAUSPLATZ!
DER MUSIKVEREIN SPIELT AUF UND ES GIBT EINEN UMTRUNK!

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