Stefan Moster, Autor und Übersetzer kam mit Schülern der Gemeinschaftsschule und Abiturienten ins Gespräch.
Beinahe drei Stunden hingen rund 30 Abiturienten, Haupt- und Realschulabsolventen an Stefan Mosters Lippen und erfuhren so aus erster Hand, wieviel Schriftsteller verdienen, wie einsam das Autorendasein ist und dass die Reisen im eigenen Kopf viel spannender und befriedigender sein können als eine Netflixserie.
Dass Moster nicht nur ein präziser und sensibler Beobachter ist, der vielschichtige Romane schreibt, sondern auch ein begnadeter Erzähler, wurde besonders daran deutlich, dass Cem Selmani aus der Friedrich-List-Gemeinschaftsschule am Schluss meinte: „Krass, wie schnell die Zeit verging!“
Moster ermutigte die Jugendlichen, selbst auszuprobieren, ob sie das Zeug zum Schreiben haben: „Schreibt einfach mal drauflos, denkt euch etwas aus oder schreibt Tagebuch, wenn man ’ne halbe Stunde schreibt und es fließt förmlich aus einem heraus, dann wird man immer kreativer und schreibt Dinge, die man vorher gar nicht geplant hat!“ Wenn man dann durchhalte und weiterschreibe, dann entwickele sich möglicherweise ein Sog wie bei einer Netflixserie, „nur besser: es entsteht von ganz alleine!“
Literatur beschäftige sich mit ungewissen Momenten, Dingen, die nie ganz sicher seien – Moster, der in Berlin und Finnland lebt, interessiert sich für die leisen Zwischentöne des menschlichen Daseins und in seinen Romanen drehe es sich immer um die Frage: „Was ist es für ein Gefühl, Mensch zu sein?“
Sein erstes Buch schrieb der 59-Jährige mit 40, davor habe er sich nicht getraut, eigene Literatur zu fabrizieren, er wollte lieber arrivierten Autoren seine Stimme leihen und übersetzt seit 1995 Finnische Literatur ins Deutsche. Eine komplexe Tätigkeit, die Moster als wenig glanzvoll beschrieb. Schnell stieg Moster als hervorragender Übersetzer aus dem Finnischen auf, seine Fähigkeit, den Ton einzelner Autoren zu treffen, machte ihn zum Meister der Übersetzungskunst. Vergangenes Jahr erhielt er den bedeutendsten Übersetzerpreis Deutschlands und hat nun selbst einige erfolgreiche Bücher geschrieben.
Er erklärte der „Gen Z“, dass er zu den sogenannten Babyboomern gehöre, sein Jahrgang habe zeitlebens mit überfüllten Hörsälen oder zu wenig Lehrstellen zu kämpfen gehabt. Er war zwar immer an Literatur interessiert und wollte Autor werden, aber er hatte immer Furcht, ob es zum Künstler reiche. Wer nämlich Belletristik produziere, habe es auf dem Buchmarkt schwer, „reich werden kann man nur mit Krimis“, meinte der Autor.
Zwei Lesungen führten heuer den mehrfach ausgezeichneten finnischen Autor Olli Jalonen und seinen Übersetzer Stefan Moster ins Steinlachtal und nach Bad Urach: „Die Kunst, unter Wasser zu leben“ und „Die Himmelskugel“. Und zwischen den Lesungen erklärte sich Moster bereit, auf Einladung der Deutsch-Finnischen-Gesellschaft, interessierten Jugendlichen über das Autorendasein zu erzählen. „Literatur ist Kommunikation – die Botschaft ist der Text, allein: Man kennt den Adressaten nicht. Man spricht zu sich selbst oder ins Leere“, so der leidenschaftliche Leser und Autor. Ins Leere sprach Moster am Dienstag Morgen jedoch nicht. Vielleicht geht der ein oder andere Schüler ja in den Sommerferien in die Bücherei, denn Moster erklärte: Dank des gut ausgestatteten Bibliotheksnetzes steht Finnland in den Pisa-Studien ganz oben. Und außerdem ist Finnland das achte Jahr in Folge das Land mit den glücklichsten Einwohnern.

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