Ah, jetzt, ja! Eine Insel!

Die Insel, die auszog, das Schwimmen zu lernen

Mössingen hat es wieder geschafft.

Während andere Städte schnöde Dinge wie Schulen, Straßen oder Kindergärten bauen, wagt man sich hier an die großen Fragen der Menschheit. Zum Beispiel: Kann eine Schwimminsel schwimmen?

Die Antwort lautet inzwischen offenbar: Eher nicht.

Mit viel Liebe, Planung, Sitzungsunterlagen und exakt 7996,80 Euro wurde im Mühlegärtle eine Schwimminsel installiert. Der Name ließ eigentlich wenig Interpretationsspielraum zu. Eine Schwimminsel sollte schwimmen. So wie ein Fahrrad fahren oder ein Backofen backen sollte.

Doch Mössingen wäre nicht Mössingen, wenn man sich von solch kleinlichen Erwartungen einschränken ließe.

Die Insel entschied sich nämlich für einen innovativen Ansatz und ging unter.

Man muss das positiv sehen: Das Projekt hat damit die Grenzen kommunaler Infrastrukturplanung erweitert. Bislang galten Brücken als Bauwerke, die nicht einstürzen, und Schwimminseln als Objekte, die schwimmen. Diese veralteten Denkmuster wurden nun erfolgreich hinterfragt.

Vielleicht war die Insel ihrer Zeit einfach voraus.

Möglicherweise handelt es sich schon wieder um ein Kunstprojekt, das nur Banausen als solches nicht erkennen. Eine tiefgründige Installation über die Vergänglichkeit öffentlicher Investitionen. Ein Symbol für eine Politik, die sich gerne mit dekorativen Ideen schmückt, während die unbequemen Aufgaben liegen bleiben. Oder eine Metapher für die Hoffnung, dass sich Projekte schon irgendwie selbst tragen werden.

Denn Hand aufs Herz: Was erzählt mehr über die Prioritäten einer Stadt als eine Insel, die mehr kostet als die meisten Bürger im Monat verdienen und weniger lange über Wasser bleibt als eine Badeente aus dem Discounter?

Auch ökologisch setzt das Bauwerk neue Maßstäbe. Wo andere Gemeinden auf gewöhnliche Biotope setzen, schafft Mössingen versunkene Lebensräume direkt mit eingebauter Förderkulisse.

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Vielleicht wird eine Arbeitsgruppe „Schwimminsel 2035“ eingerichtet, um die Ursachen wissenschaftlich aufzuarbeiten.

Oder man erklärt das Ganze einfach zur Erfolgsgeschichte. Schließlich ist das Ziel einer Schwimminsel nicht zwangsläufig das Schwimmen. Wer weiß schon, welche Visionen hinter solchen Projekten stehen?

Dabei wäre die eigentliche Frage viel spannender:

Wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Wer hat geprüft?

Wer hat gerechnet?

Wer hat die Verantwortung übernommen?

Und vor allem: Wird da jetzt noch was gemacht oder modert das so vor sich hin wie der Buckelwal Timmy?

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