Sorge um die Endelbergtrasse: Wenn Probleme plötzlich verschwinden

Wie heute im Steinlachboten zu lesen ist*, blickt Bodelshausens Bürgermeister Florian King offenbar mit Sorge auf die geplante Sanierung der B27 zwischen Ofterdingen und Bodelshausen.

Der Grund ist nachvollziehbar: Was, wenn die Maßnahme tatsächlich wirkt?

Jahrzehntelang war die Lage klar.

Die Straße ist laut.

Der Verkehr stockt.

Die Belastung ist hoch.

Also braucht es einen Ausbau in Form der Endelbergtrasse. Eine schöne, übersichtliche Kausalkette.

Doch nun droht frischer Asphalt alles durcheinanderzubringen.

Stellen wir uns das Schreckensszenario vor:

Der Verkehr fließt besser.

Die Fahrgeräusche nehmen ab.

Die Menschen schlafen ruhiger.

Und plötzlich fragt jemand: „Brauchen wir den Neubau dann überhaupt noch?“

Das wäre natürlich fatal. Denn nichts gefährdet ein Großprojekt so sehr wie ein funktionierender Ist-Zustand.

Unterstützung erhält diese Sichtweise von Bundestagsabgeordnetem und Theologen Christoph Naser, dessen Herz bekanntlich für den vierspurigen Ausbau der B27 schlägt.

Als evangelischer Pfarrer müsste er sich eigentlich mit der Bewahrung der Schöpfung beschäftigen. Doch vielleicht gehört zur modernen Auslegung der Genesis inzwischen auch die Vermehrung von Fahrstreifen.

Schließlich steht nirgendwo geschrieben, dass Streuobstwiesen nicht durch Beton ersetzt werden dürfen – zumindest nicht in der verkehrspolitischen Bibelauslegung.

Als Pfarrer in Bodelshausen und heutiger Bundestagsabgeordneter zählt der B27-Ausbau ausdrücklich zu seinen politischen Schwerpunkten.

Während manche Menschen gerne durch Streuobstwiesen spazieren, scheint die Vision anderer eher darin zu bestehen, mit Tempo 100 durch eine möglichst hindernisfreie Verkehrsschneise zu gleiten. Wo der Spaziergänger Lerchen hört, hört der Infrastrukturfreund den sehnsuchtsvollen Ruf des Beschleunigungsstreifens.

So bleibt die Region in gespannter Erwartung: Wird die Sanierung die Lebensqualität verbessern? Wird der Verkehr flüssiger? Wird der Lärm sinken?

Und vor allem: Wird damit ausgerechnet die wichtigste Begründung für die Endelbergtrasse verschwinden?

Manchmal sind politische Probleme eben wie seltene Tierarten: Kaum drohen sie auszusterben, wird hektisch über ihren Erhalt nachgedacht.

 

* https://www.swp.de/lokales/moessingen/b27-sperrung-ab-juli-es-soll-keine-abkuerzung-mehr-geben-79119248.html

_______________

mehr Infos unter: endelberg.de

14 Kommentare zu „Sorge um die Endelbergtrasse: Wenn Probleme plötzlich verschwinden“

  1. Avatar von Gaby Weyell
    Gaby Weyell

    Und schaut man auf Hechingen, wo der Ausbau der B27 vollzogen ist :
    Hier beschweren sich Anwohner über den Lärm, der durch die hohe Geschwindigkeit breitflächig ausbreitet.(Tagblatt 6.6.)
    In Mössingen wäre Bästenhardt und die Bewohner auf der Dachtel stark betroffen .
    Gut wäre es, man würde bei der jetzigen Sanierung auch gleich die Unterführung nach Bad Sebastiansweiler Rollstuhl-und Fahrradtauglich mitgestalten !

    1. Avatar von chefinnin

      Ganz deiner Meinung, liebe Gaby!

  2. Avatar von Klara Dittrich-Rommel
    Klara Dittrich-Rommel

    Was für ein Wahnsinn! Du bringst es auf den Punkt: Was, wenn das tatsächlich eine Besserung bringt?
    „Man“ darf doch sein Gesicht nicht verlieren!
    Kämpfe weiter! Leg deine Finger in die Wunden und öffne vielen die Augen!

    1. Avatar von chefinnin

      Liebe Klara, es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben. Und wer seine Meinung nie ändert, ändert gar nichts!
      George Bernard Shaw meinte: „Fortschritt ist ohne Veränderung nicht möglich, und wer seine Meinung nicht ändern kann, kann nichts ändern.“
      Ich hoffe, dass der Herr Theologe sich seines Auftrags besinnt und seine Meinung über die B27NEU ändern kann!

      Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung, was tun Sie, Herr Naser?

  3. Avatar von Dr. Andreas Gammel
    Dr. Andreas Gammel

    Liebe Claudia, hierzulande gehört schon längst mehr Mut dazu, sich für den 4-spurigen Ausbau der B-27 einzusetzen als dagegen zu sein. Ich oute mich dennoch als Befürworter.
    Ob es richtig ist, für einen rasch fließenden Verkehr zwischen Hechingen und Tübingen einzusetzen, oder dagegen zu kämpfen, ist weder eine parteipolitische noch eine theologische Frage. Es hängt (wie bei vielen Verkehrsprojekten) stark davon ab, ob nur die Meinungen der direkten Anlieger ernst genommen werden oder ob man den Blick weitet und die Region sieht. Denn das Ungemach durch die Bauarbeiten und den Lärm des dann fließenden Verkehrs werden wir hier haben, die logistischen Vorteile (schnelleren Transfer für Menschen und Güter, größere Chancen für wirtschaftliches Wachstum, weniger Unfälle) hätten auch die anderen im Zollern-Alb-Kreis und weiter südlich. Aber für die kandidierst Du ja nicht, und vermutlich hältst Du ja die Wirtschaft generell für Teufelszeug. Und eine funktionierende Ehrenamtskultur braucht auch keine Schlüsselzuweisungen (Geld, das Städte pro Einwohner für ihre Funktionieren bekommen – Mössingen ist stark darauf angewiesen, wie Du weißt) und auch kein Bevölkerungswachstum (sollen die Tübinger doch in ihren heißen kleinen teuren Dachwohnungen ersticken ohne Chance auf Wohnraum im schönen Mössingen, auch für die kandidierst Du ja nicht).
    Und wenn Du jetzt den Blick noch mehr weitest und den Planeten siehst: ich würde behaupten, 8 km im 5. Gang mit Tempo 100 erzeugt selbst im Verbrenner gut 25% weniger Emissionen als 4 km Stop and Go im 1. und 2. Gang.
    Aber das muss man rechnen und glauben (ich schicke es Dir) – Du würdest wahrscheinlich ohne Evidenz widersprechen. So hab doch wenigstens ein Herz für die (Du würdest sagen: Solidarität mit den) Menschen in Ofterdingen, die jeden Tag stundenlang eine Autoschlange durch ihren Ort haben, mit Hitze, Gestank und Lärmemissionen. Für die wärst Du in der vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft ja eine Art Ober-Bürgermeisterin.
    Ach ja, und Herr Naser? Wäre klasse, wenn er sowohl bei seinem früheren als auch bei seinem jetzigen Chef ein gutes Wort einlegen könnte. Mit Gott und dem Bundeskanzler im Rücken muss das Projekt doch eigentlich endlich kommen. Denn die Bewahrung der Schöpfung umfasst auch die Menschen an der Ofterdinger Ortsdurchfahrt, die Senioren in Bad Seba, die Hechinger Pendler und die Tübinger Hitzegeplagten.

    1. Avatar von chefinnin

      Lieber Andreas,

      Aus verkehrs- und klimapolitischer Sicht ist der Neubau von Straßen generell und damit auch der Endelbergtrasse eine Katastrophe.

      Jeder Verkehrsexperte, der auch nur halbwegs bei Verstand ist, wird das bestätigen.
      Denn die Finanzen reichen ja schon bei weitem nicht für den Unterhalt der bestehenden Infrastruktur aus.
      Und jeder Euro, der in den Straßenbau fließt, steht nicht für den – auch laut Verkehrsexperten – dringend notwendigen Ausbau der Schieneninfrastruktur und des ÖPNV zur Verfügung.
      Während in den letzten Jahrzehnten allein im Landkreis Tübingen Unsummen in den Ausbau von Bundes-, Landes- und Umgehungsstraßen investiert wurde, befinden sich die hiesigen Bahnstrecken mangels Modernisierung größtenteils im Zustand des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts.
      Dank der jahrzehntelangen verfehlten, weil auf Straßen- und Autobahnbau ausgelegten Verkehrspolitik (hauptsächlich Union + FDP), konnten Unternehmen ihre Lagerhaltung großteils zum Nulltarif auf die Straße verlegen. Bezahlt wird dieses Geschäftsmodell von der Allgemeinheit, nicht nur in Geld, auch ungesunder Luft, Mikroplastik und Klimawandel. Auf der anderen Seite hat man das Schienennetz verrotten lassen.
      Die schwächelnde Wirtschaft und zunehmende Deindustrialisierung lässt sich mit weiterem Straßenbau nicht aufhalten. Denn die Probleme sitzen tiefer und haben mit mangelhafter Digitalisierung (Dank Kohl und seinem Kupfer-Fetisch ist Deutschland europaweit Vorletzter) und stümperhafter Energiepolitik (Altmaier) zu tun, die auf Subventionierung von Gas und Braunkohle setzt und damit Deutschlands Technologieführung bei Solar und Windenergie verschenkt hat.
      Die CDU täte gut daran, sich aufgrund fehlender Kompetenz aus der Verkehrs- und Wirtschaftspolitik herauszuhalten, wie man leider eindrucksvoll an Stuttgart 31 sehen kann.

    2. Avatar von Jochen-Warth Julian
      Jochen-Warth Julian

      Lieber Herr Dr. Gammel,
      würden die Gegner neuer Autobahnen tatsächlich inzwischen die Mehrheit darstellen, könnte ich der Gesellschaft glatt einen fundamentalen Erkenntnisgewinn in recht kurzer Zeit attestieren. Allein mir fehlt der Glaube…
      Die Zeiten ändern sich zum Glück und die aktuelle Hitzewelle zeigt uns allen wie dringend wir eine 180° Wende in der Verkehrspolitik brauchen. Weg von immer neuen Rodungen und Flächenversiegelungen unter den immer gleichen fehlerhaften Argumenten:
      Warenverkehr, Wohnen, Wirtschaftswachstum, Unfallvermeidung.
      Die bestehende Straße reicht bis heute 20 Stunden täglich vollkommen aus. Wer also seinen 40 Tonner unbedingt durchs Steinlachtal schicken muss, der Plane die Tour eben so, dass er die Berufsverkehrszeiten meidet. Das ist lediglich eine Frage geschickter Disposition. Und wieso sollen die Menschen im Steinlachtal mit ihrer Lebensqualität subventionieren, dass einer täglich von hinter Balingen nach Stuttgart pendelt um dort die Knete zu verdienen die er braucht um die viel zu große Hütte in der Walachei zu finanzieren, die er in Nähe seiner Arbeitsstätte leider nicht finanziert bekäme. Nach Möglichkeit dort zu leben wo man arbeitet wäre DER Schlüssel zu weniger Verkehrsaufkommen. Also gilt es die Pendlerpauschale und das Dienstwagenprivileg abzuschaffen. Die Steuermehreinnahmen könnten dann zum Beispiel in eine aufwändige 2+2 Tunnellösung für Ofterdingen investiert werden. Falls wir das technisch nicht drauf haben, könne wir ja die Norweger anheuern. Bei Problembären brauchen wir schließlich auch die Finnen.
      Und woher kommt die Theorie, dass dank der Endelbergtrasse weniger Unfälle passieren würden? Straßen verursachen keine Unfälle. Menschen verursachen Unfälle. Menschen, die sich nicht in der Lage sehen, ihren Fahrstil den Gegebenheiten anzupassen. Auf einer Autobahn passieren die Unfälle dann nur bei höherer Geschwindigkeit und mit entsprechend größeren Schäden an Mensch und Material. Seit Helsinki ein flächendeckendes Tempolimit von 30 Km/h eingeführt hat, gab es dort keinen Verkehrstoten mehr. Es gilt nach wie vor: Je schneller desto bums!

  4. Avatar von Dr. Andreas Gammel
    Dr. Andreas Gammel

    Das war jetzt ein Kommentar zur allgemeinen Präferenz des unmotorisierten Individualverkehrs und zum Vorrang von Massenverkehrsmitteln – die immer dann gut sind wenn Massen gemeinsam verkehren müssen. In Ballungsräumen funktioniert das seit 100 Jahren – vielleicht wird es bei uns in 15 Jahren ebenfalls besser funktionieren. Momentan ist es ökologisch beispielsweise eine Katastrophe, große Busse mit 1 bis 2 Fahrgästen durch die Wohngebiete fahren zu lassen. Die kleineren Busse in Mössingen sind übrigens das Ergebnis einer beharrlichen Anstrengung der CDU-Gemeinderatsfraktion!
    So, wie es besser ist, Nudeln und Salat mit Proteinen zu kombinieren, ist es auch besser, Rad und Bahn mit dem Auto zu kombinieren. Wir sollten frei sein, das eine oder das andere zu können, so wie es halt der Schichtplan der Krankenschwester oder der Werkzeugkoffer des Handwerkers notwendig machen. Und dafür ist die Beseitigung der 2 Nadelöhre der B-27 eine notwendige Kleinigkeit.
    Auf die 1,5 Millionen (!!) Tonnen (!) Treibstoff, die der Neubau der 8 km von Bodelshausen nach Dusslingen IM JAHR sparen würde, bist Du leider nicht eingegangen… Soll ich das hier mal vorrechnen, oder glaubst Du mir was ich Dir geschickt hab?

    1. Avatar von chefinnin

      CO2 wird nicht dadurch eingespart, dass Autos fahren, sondern indem sie nicht fahren. Ansonsten könnte man ja an alle Autobahnen noch drei bis vier Fahrstreifen pro Richtung dranbauen und Mössingen mit einem Netz an Stadtautobahnen durchziehen. Damit würden wir jede Menge CO2 einsparen. Eine Milchbubenrechnung!
      Im Übrigen ist die CO2-Einsparung irrelevant, denn bis die Straße fertig wäre, würden ohnehin hauptsächlich E-Fahrzeuge fahren. Das größere Problem ist die maßlose Zerstörung von Natur, Lebensräumen, Artenvielfalt. Aber saß Leben und die Schöpfung zu bewahren, war ja noch nie ein Anliegen der CHRIST-Demokraten. Ebenso trägt die großflächige Versiegelung enorm zur Aufheizung bei, aber es scheint, dir ist trotz der aktuellen Hitzewelle noch nicht heiß genug…

    2. Avatar von Julian Jochen
      Julian Jochen

      Das Problem Ihrer Argumentation ist aber halt schon, dass sie erschrecken beharrlich davon ausgeht, dass die Verkehrsmasse an Verbrennern gleich bleibt oder steigt. Wenn mein in der vorangegangenen Antwort Berücksichtigung fände, würde die Verkehrsbelastung sinken. Und selbst wenn nicht, würden diese Fahrten mehr und mehr von elektrischen Fahrzeugen bewerkstelligt. An dieser Stelle hinkt ihr Spritrechnung eben brutal. Insgesamt kann man diese eigentlich auf den Satz eindampfen: „Wir wollen das alles so bleibt wie es ist“.

    3. Avatar von chefinnin

      Die Rechnung ist komplett falsch, wie mir gerade auffällt. 1,5 Millionen Tonnen Treibstoffeinsparung für 8km Straße? Das wären 1500 lange Güterzüge mit Treibstoff beladen, also 4-5 solcher Güterzüge pro Tag, die nur den bisher nur im Ofterdinger Stau verbrauchten Treibstoff anliefern müssten. Oder 50.000 schwere Tanklast-LKW. Also etwa 130 solcher LKW pro Tag. Oder einer alle 10 Minuten. Dass die komplette Ladung eines Tank-LKW innerhalb einer Minute auf den paar Metern verbraucht wird, ist ein bisschen unrealistisch. Wenn man mit Zahlen um sich wirft, sollte man auch eine Vorstellung der Größenordnung haben. Dafür ist die Physikvorlesung im ersten Semester des Medizinstudiums da 🙂

  5. Avatar von Dr. Andreas Gammel
    Dr. Andreas Gammel

    Ja, aber dieses Argument zieht nicht, denn die Autos fahren ja. Jetzt un bis auf absehbare Zeit: wann soll die Regionalstadtbahn fertig sein? 2037? 2040? Und die Leutenfahren nicht, weil sie gerne fahren oder weil es so schön billig ist. Sie fahren, weil sie müssen – und dabei quälen sie sich, die Anwohner in Ofterdingen, aber auch den Planeten mit einem unnötigen Mehrverbrauch von Sprit im Stop and go. 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr.
    Ach, und wer hat die Grünen erfunden? Herbert Gruhl, ein CDU-Bundestagsabgeordneter. Und welche Regierung hat den sauren Regen beendet, die Flüsse in Deutschland wieder bebadbar gemacht, das Ozonloch geschlossen (ok, da hatten wir noch Helfer)? Na, wer? Stimmt. Die schöpfungsbewahrende CDU. Wir sind keine bornierten Umweltfrevler. Klar, mehr geht immer. Aber respice finem: alles hängt mit allem zusammen. Klar ist es toll, wenn hohe Energiepreise und schlechte Verkehrsinfrastruktur das Land de-industrialisieren, aber dann sinkt der Wohlstand, da hilft auch keine Reichensteuer… (by the way: die Armen zahlen auch kaum Steuern…).

  6. Avatar von Hanna Müller
    Hanna Müller

    Guten Tag Andreas Gammel,

    vielen Dank für Ihre Kommentare. Ih sehe die Sache etwas anders und möchte das kurz ausführen.

    Der alte Spruch „Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten“ würde sich im Falle eines Ausbaus der B27 mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit bewahrheiten. Aus diesem Grund muss ich Ihrem Argument bzgl. der 8 km im 5. Gang klar widersprechen (wie kommen Sie übrigens darauf, dass man auf der Straße nur 100 km/h fahren würde und wie sähe die Rechnung mit 8 km im 5. Gang und Tempo 130 aus?). Selbstverständlich würde die Straße zu mehr Verkehr führen und etwaige Vorteile dadurch wieder zu Nichte gemacht (der sogenannte Rebound-Effekt). Dafür, dass schnelleres Fahren (was auf der neuen Trasse dann ja sowohl möglich als auch gewollt wäre) generell zu mehr Co2- Ausstoß führt, können Sie bspw. hier lesen:
    https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/mobilitaet/mobilitaetsdaten/tempo

    Ach ja, die Energie, die aufgewendet werden muss, um die Straße zu bauen, ist dabei ja noch gar nicht einkalkuliert.

    Auch in der aktuellen Hitzewelle mutet Ihre Argumentation wenig sinnvoll an. Wir können über jede unverbaute Fläche und jeden Baum, der für die Trasse nicht gefällt wird, nur dankbar sein. Generationengerechtigkeit bedeutet für mich, dass wir den nachfolgenden Generationen eine Welt zurücklassen, in der sie noch leben können. Die Wirtschaft wird in der sich verschärfenden Klimakrise sowieso nicht mehr so funktionieren, wie wir es gerade noch erleben. Klimakrise und im jetzigen Fall die Hitze, sind sehr teuer, z.B. wegen der sinkenden Produktivität von Mitarbeiter*innen (geht ja auch gerade durch die Presse, bspw. hier: https://www1.wdr.de/wirtschaft/hitze-kosten-wirtschaft-milliarden-100.html) und eine neue Trasse würde entgegen Ihrer Argumentation noch dazu beitragen, das Problem zu verschärfen. Die Kosten für das Gesundheitssystem, dass sich um die zusätzlichen Patient*innen kümmern muss, die aufgrund großer Hitze versorgt werden müssen, oder Ernetausfälle in der Landwirtschaft sind dabei noch nicht eingerechnet …

    Ergo: der Neubau ergibt auch wirtschaftlich keinen Sinn: Ich mag mir gar nicht vorstellen, was es kostet neben der horrenden Neubaukosten vierzehn Brücken in einigen Jahrzehnten zu sanieren bzw. regelmäßig in Stand zu halten. Das ist dann Geld, dass an anderer Stelle wieder fehlt – zum Beispiel bei (frühkindlicher) Bildung. Wenn diese nicht stattfindet (bzw. wegen Geldmangels nicht qualitativ stattfinde kann), kann es enorme Folgekosten für den Staat verursachen. Wie Sie sehen, ist Wirtschaft eben etwas komplexer als nur irgendwelche Güter von A nach B zu transportieren…

    Und ja, die Ofterdinger. Natürlich ist die Situation für sie nicht schön – das liegt ja auf der Hand. Ein Neubau würde aber zu einer krassen Verkehrsverlagerung führen, so dass die ganzen Autos dann an anderer Stelle auftauchen würden (bspw. in Mössingen selbst). Ich möchte eher fortschrittlich denken: Welche Wege könnten wir gehen, den Verkehr zu reduzieren? Könnten wir dafür Anreize schaffen? Müssen wirklich so viele Leute allein in ihrem Auto sitzen, um bspw. zur Arbeit nach Tübingen zu pendeln? In neuen Bahnen zu denken erfordert Mut – und den kann ich in Ihrem Bedenken nicht erkennen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert